Geschäftsinhaltsversicherung der Praxisräume

Der folgende Beitrag soll Ihnen bei der Orientierung und der Entscheidungsfindung zum Abschluss einer Geschäftsversicherung behilflich sein. Wir haben die wichtigsten Punkte auf die Sie Achten sollten aufgegriffen und für Sie zusammengestellt.

Eine Geschäftsinhaltversicherung für die Praxis schützt vor finanziellen Folgen, wenn durch

  • Brand, Explosion, Blitzschlag
  • Einbruchdiebstahl/Vandalismus/Raub
  • Leitungswasser
  • Sturm bzw. Hagel

die medizinische-, technische- und kaufmännische Praxiseinrichtung, die Medikamente und ähnli­ches nach einem Einbruch entwendet bzw. be­schädigt oder zerstört wird. Versichert ist die gesamte Praxiseinrichtung, z.B. medizinisch- technische Ge­räte, Mobiliar, Medikamente, eventuelle Laboreinrichtungen, die gesamte kaufmännische Einrichtung, Waren, Bücher, Vorräte und fremdes Eigentum.

Optional kann der Einschluss von:

  • Erweiterten Elementarschäden (Überschwemmung, Rückstau, Witterungsniederschläge, Erdrutsch, Erdbeben, Erdsenkung, Schneedruck, Lawinen, Vulkanausbruch)
  • Glauspauschalversicherung für die Innen- und Außenverglasung
  • Spezialschutz als Allgefahrendeckung für elektronische Geräte
  • Klein-Ertragsausfallversicherung anläßlich eines der versicherten Gefahren

erfolgen.

Bitte beachten Sie bitte, dass Glasschäden an einer von Ihnen gemieteten Praxis nicht von Ihrer Berufshaftpflichtversicherung abgedeckt wird. Hierfür bedarf es einer Glasversicherung, die man preiswert (ab 32,13 EUR/Jahr) in einer Geschäftsinhaltsversicherung integrieren kann.  

Bei geeigneten Versicherungslösungen sind Praxisschilder gegen einfachen Diebstahl sowie Beschädigung bis zu 2.000,- EUR mitversichert. Arzttaschen/Notfallkoffer oder bewegliche, nicht fest installierte Boxen/Container inkl. Inhalt (ohne Bargeld, mobile Kommunikationstechnik und andere wesensfremde Gegenstände) sind während Fahrten und Gängen bei Krankenbesuchen gegen Verlust und Beschädigung – verursacht durch: Transportmittelunfall, Brand, Blitzschlag, Explosion, höhere Gewalt, Sturm, Einbruchdiebstahl, Diebstahl, Beraubung und räuberische Erpressung – zum Zeitwert bis 5.000 EUR auf erstes Risiko mitversichert.

Bei grober Fahrlässigkeit kann ein Versicherer die Leistung verneinen oder einschränken. Zum Beispiel weil der Versicherte die Praxistüre versehentlich nicht abgeschlossen hat. Daher sollte ein Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit vereinbart werden, ggf. mit einem Sublimit bei Schäden von z.B. bis 15.000 EUR

Als Versicherungssumme gilt der Neuwert bzw. aktuelle Anschaffungspreis aller zuvor ge­nannten Einrichtungen, Geräte, Waren und Vorräte.

Die richtige Versicherungssumme ist eines der Herzstücke einer Sachversicherung. Sie dient nicht nur der Prämienberechnung, sondern sie bildet auch die Grenze der Ersatzleistung. Aus vie­len Schaden­fällen wissen wir, dass die Anrechnung einer Unterversicherung – d.h. am Schadentag ist der ge­samte Versicherungswert höher als die vereinbarte Versicherungssumme – zu viel Ärger und Miss­stimmung führen kann. Denn: Der Versicherer wird dann im gleichen prozentualen Ver­hältnis zur Unterversi­cherung einen Abzug von der Entschädigungsleistung vornehmen.

Ist die Versicherungssumme demnach niedriger als der Versicherungswert unmittelbar vor Eintritt des Versicherungsfalles, so besteht eine Unterversicherung. Im Fall der Unterversicherung wird die Entschädigung im Verhältnis der Versicherungssumme zum Versicherungswert nach folgender Berechnungsformel gekürzt: Entschädigung = Schadenbetrag multipliziert mit der Versicherungssumme dividiert durch den tatsächlichen Versicherungswert.

Beispiel zu den Auswirkungen einer Unterversicherung:

Versicherungssumme 20.000,- Euro, tatsächlicher Versicherungswert 35.000,- Euro, Schadenhöhe 5.000,- Euro.
Erstattung: Nicht 5.000,- Euro sondern rund 2.857,- Euro.

Um diesen Missstand zu vermeiden, muss der richtige Versicherungswert ermittelt werden. Vorteil guter Bedingungen: Auf die Anrechnung einer Unterversicherung wird je nach Versicherer verzichtet, wenn der Schaden 10 % der Versiche­rungssumme und max. 50.000 EUR nicht übersteigt.

Steht der Gesamtbestand an medizinischer, kaufmännischer und technischer Betriebseinrichtung fest (ohne Berücksichtigung von steuerlichen Abschreibungswerten), so wird mit realistischen Werten versehen der aktuelle Neupreis geschätzt. Dazu benutzt man am besten Einkaufskataloge und/oder Bestell-Listen. Der Wert der Vorräte ist mit dem Wert des im laufenden Kalenderjahr zu erwartenden Höchstbestandes anzusetzen. Für die während des Versicherungsjahres getätigten Neuanschaffungen gilt je nach Versicherer eine Vorsorge von 10 % der Versicherungssumme, max. 50.000 EUR. 

Um für die Folgezeit Preissteigerungen auszugleichen, wird auf Wunsch eine Summenanpas­sungsklausel vereinbart. Dabei ist zu beachten, dass über eine Summenanpassungsklausel nur statistische Preis­steigerungen ausgeglichen werden.

Neuwertentschädigung und 40% Regel

Die Versicherer werben mit der Neuwertentschädigung was im Prinzip auch zutrifft, sich jedoch im Detail oft als Unwahr erweist. Zum niedrigeren Zeitwert wird nämlich dann abgerechnet, wenn der versicherte Gegenstand nur noch einen Zeitwert von 40 % des Neuwertes hat. Das kann je nach Gegenstand bereits nach wenigen Jahren eintreten, so dass dann nur noch zum niedrigen Zeitwert statt dem zzt. aktuellem Wiederbeschaffungswert abgerechnet wird.

Ausnahmen davon bilden Versicherer, die darauf unter bestimmten Voraussetzungen verzichten. Das ist dann der Fall, wenn die Sache zwar nur noch einen Zeitwert von 40 % des Neuwertes hat, sich die Sache jedoch im ständigen Gebrauch und im technisch einwandfreien Zustand befindet.

Elementarschäden

Zumindest bei ebenerdigen Praxen bzw. bei Praxen unter der Erdgleiche empfehlen wir den Einschluss von Elementar­schäden zu prüfen. Diese können jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen mitversichert werden. Be­stimmte Gebiete, Orte bzw. Straßenzüge sind ggf. nicht versicherbar.

Wenn ja, so stellen Versicherer die Frage, ob an dem zu versichernden Objekt und/oder an Objekten in unmittelbarer Umgebung (im Um­kreis von (meist) 2 km) die letzten (meist) 10 Jahre Elementarschäden eingetreten sind. Falls ja, so erfolgt die nächste Frage, ob es sich um Schäden bis maximal 5.000 Euro handelte. Falls höher, ist eine Versicherung meist nicht möglich.

Der Versicherer leistet Entschädigung für versicherte Sachen, die durch:

a)  Überschwemmung, Rückstau,
b)  Erdbeben,
c)  Erdsenkung, Erdrutsch,
d)  Schneedruck, Lawinen,
e)  Vulkanausbruch

zerstört oder beschädigt werden oder abhanden kommen.

Ausgeschlossen sind stets Schäden durch Sturmflut und Grundwasser, soweit dieses nicht an die Oberfläche gedrungen ist.

Der Versicherungsnehmer hat zur Vermeidung von Überschwemmungs- bzw. Rückstauschäden bei überflutungsgefährdeten Räumen meistens Rückstauklappen anzubringen und funktionsbereit zu halten sowie Abflussleitungen auf dem Versicherungsgrundstück freizuhalten, sofern der Versicherungs­nehmer hierfür auch die Gefahr / Verantwortung trägt.

Selbstbehalt im Bereich der Elementarschäden
Der bedingungsgemäß als entschädigungspflichtig errechnete Betrag wird je Versicherungsfall um einen vereinbarten Selbstbehalt gekürzt.

Klein-Ertragsausfallversicherung

Es handelt sich hierbei um eine Ertragsausfallsversicherung, die das Risiko der Be­triebs­unterbre­chung durch einen in der Inhaltsversicherung versicherten Sachschaden deckt.

Die häu­figsten Ursachen für eine Betriebsunterbre­chung sind Schäden durch Leitungswasser, Brand und Ein­bruchdieb­stahl. Die Folgen einer Betriebsunterbrechung sind für die betroffene Praxis meist schwerwiegen­der als der Sachschaden selbst. Der mit einer vorübergehenden Betriebsschließung verbundene Umsatzrück­gang führt zu einer Reduzierung des Betriebsergebnisses, da die fortlau­fen­den Fixkosten nicht mehr erwirtschaftet werden können.

Ein schneller Kostenabbau ist heute aus rechtlichen und wirtschaftlichen Gründen oft nicht mög­lich. So entste­hen z.B. fortlaufende Personalkosten, obwohl Ihre Mitarbeiter unter Umständen nicht eingesetzt werden können. Nach gültiger Rechtssprechung führt ein Feuerschaden im Betrieb nicht zu einem außerordentli­chen Kündigungsrecht seitens des Arbeitgebers.

Um auch hier wieder eine Unterversicherung zu vermeiden, der zu einem Abzug im Versicherungsfall führt, ist die VS-Summe genau zu ermitteln. Die für eine Betriebsunterbrechungsversicherung notwendige Versicherungs­summe können Sie mit folgender Faustformel selbst errechnen:

Umsatzerlöse (vom Vorjahr)
- abzüglich Waren-/ Materialeinsatz
Betriebswirtschaftliches Rohergebnis = Versicherungssumme

Dieses betriebswirtschaftliche Rohergebnis sollte mit der vereinbarten Versicherungssumme über­einstim­men, um im Schadenfalle den notwendigen Versicherungsschutz zu erhalten. Im vorliegen­den Fall ist die Versicherungssumme für den Praxisinhalt und den Ertrag identisch. Liegen Ihre Zahlen darunter bleibt es bei der VS-Summe, da sie sich aus der Inhaltssumme zum Neuwert ab­leitet. Erst wenn die VS-Summe aufgrund Ihres betriebswirtschaftlichen Rohergebnisses höher sein muss, ist anders vorzugehen. Dann kann eine so genannte Mittlere Betriebsunterbre­chungsversicherung (MBU) vereinbart werden, die höher als die Sach­schadendeckungssumme ist.

Beitragsberechnung

Der Beitrag richtet sich nach der Höhe der Versicherungssumme, der Branche und ggf. dem genauen Ort der zu versichernden Räume. Zusatzeinschlüsse wie eine Ertragsausfallversicherung oder der Einschluss von Elementarschäden, einer Glaspauschalversicherung oder weiterer Bausteine kosten einen Zuschlag.

Nachlässe

In Verbindung mit weiteren betrieblichen Absicherungen wie z.B. einer Berufshaftpflichtversicherung ergeben sich meist interessante sog. Bündelnachlässe.

Bau- und Sicherheitsvorschriften

Je nach Versicherer und Leistungsumfang ergeben sich unterschiedliche Vorschriften die  in den sog. Annahmerichtlinien der Versicherer zu finden sind. Dazu zählt bspw. die Schlosstechnik der zu den Versicherungsräumen führenden Türen bis hin zur Baurt bzw. Bausubstanz des Gebäudes selbst und der ggf. gefahrenerhöhenden Nachbarschaft. Sofern die Bestimmungen nicht eingehalten werden, ist der Versicherer im Schadenfall von der Leistung frei, sofern eben dieser Punkt zum Schaden führte. 

Eine höherwertige Inhaltsversicherung zeichnet sich stichwortartig
durch die folgenden Punkte aus:

  • Ersatz für im Sinne der Versicherung entwendete oder oder zerstörte Krankenkassenrezepte (Interessant z.B. für Physiotherapeuten oder Ärzte mit Kassenzulassung)
  • Verzicht auf den Einwand einer eventuellen Unterversicherung bei kleineren und mittleren Schäden
  • Verzicht auf die Einrede einer groben Fahrlässigkeit bis zu einem bestimmten Höchstbetrag (z.B. 15 TEUR)
  • Neuwertentschädigung ohne üblichen Vorbehalt (siehe oben 40 % Regel)
  • Mitversicherung von Überspannungsschäden durch Blitz und atmosphärischer Überspannung
  • Mitversicherung von Medikamenten im Kühlschrank bei Ausfall desselben
  • Mitversicherung von Praxisschildern gegen einfache Wegnahme oder Beschädigung
  • Schutz bei Diebstahl eines Notfallkoffers bei Hausbesuchen
  • Mitversicherung von Geschäftsfahrrädern gegen einfachen Diebstahl bis 1.000,- Euro
  • Mitversicherung von Schäden durch innere Unruhen, Streik, böswilliger Beschädigung, Rauch, Fahrzeuganprall und Überschalldruckwellen
  • Mitversicherung von unbenannten Gefahren
  • usw. 

Stichwortartige Beschreibung. Detailregelungen ergeben sich aus den jeweiligen Versicherungsbedingungen.

Beitragsbeispiel

Vollwertige Berufshaftpflichtversicherung (ohne private Risiken) für eine Heilpraktikerpraxis zusammen mit einer Geschäftsinhaltsversicherung mit einer Versicherungssumme von 39 TEUR (entspricht dem betriebswirtschaftlichen Rohergebnis vom Vorjar bzw. dem Neuwert der Praxiseinrichtung). Versicherte Gefahren in der Inventarversicherung:
Brand, Explosion, Blitzschlag, Einbruchdiebstahl/Vandalismus/Raub, Leitungswasser, Sturm bzw. Hagel inkl. Klein-Ertragsausfallversicherung.
Möglicher Gesamtbeitrag: 177,39 Euro / Jahr inkl. 19 % Versicherungssteuer

Fazit

Je nach dem Wert der Praxiseinrichtung, der Bonität des Versicherten, und dem Honorarausfall der sich durch eine versicherte Praxisschließung ergibt, ist eine Geschäftsinhaltsversicherung sehr sinnvoll.

Der Abschluss einer Geschäftsinhaltsversicherung ist dabei alles andere als profan. Vielerlei Aspekte sind zu beachten und nur durch eine individuelle Bestandsaufnahme und Angebotserstellung abzudecken. Standardisierte Schnelllösungen sind hierfür ungeeignet.  

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Lothar J. Riesterer

Lothar J. Riesterer

Nach seiner Ausbildung bei der Deutschen Krankenversicherung AG, war der Autor mehrere Jahre als KV-Spezialist für Vertriebspartner der DKV AG tätig. Im Anschluss daran war er in unterschiedlichen Positionen innerhalb der Versicherungswirtschaft im Innen- und Außendienst tätig. Weitere Erfahrungen sammelte er 9 Jahre lang als angestellter Unternehmensberater in der Schweiz, und hat von dort für Firmen neutrale Versicherungsgutachten erstellt und komplexe Risk-Management-Beratungen durchgeführt. Später machte er sich mit einer Versicherungsmaklerfirma und als Dozent und Referent selbstständig und hat sich hierbei auf die Zielgruppe der Heilberufe bzw. Gesundheits(fach)berufe spezialisiert.

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