Todesfälle in “Heilpraktiker Krebsklinik” in Brüggen-Bracht

Im Juli 2016 ereigneten sich in Brüggen-Bracht  drei Todesfälle in einer alternativen Krebsklinik. Der verantwortliche Heilpraktiker Klaus R. soll zuvor ein nicht zugelassenes Präparat verwendet haben, durch das ggf. diese Todesfälle eingetreten sind. Zwei weitere Patienten wurden notfallmäßig in ein anderes Krankenhaus eingewiesen.

Über die Jahre hinweg starben in dem Krebszentrum 69 Patienten, die zumindest teilweise invasiv mit 3-Bromopyruvat behandelt wurden. Die Ermittlungen auf diese Verstorbenen auszuweiten wird nicht angestrebt, da diesen Patienten laut Staatsanwaltschaft auch aus schulmedizinischer Sicht nicht mehr zu helfen war.    

Nach Angaben der zuständigen Staatsanwaltschaft handelt es sich wie gesagt um das Präparat 3-Bromopyruvat. Ein Zusammenhang zwischen den Todesfällen und dem verabreichten Medikament, ist noch nicht endgültig geklärt. Gerichtsmediziner ermitteln noch.  Es könnte z.B. auch eine Überdosierung oder eine stoffliche Verunreinigung von 3-BP vorliegen.

Eine Zulassung von 3-Bromopyruvat als Arzneimittel besteht nicht, da hierfür  nicht die notwendigen Voraussetzungen vorliegen. Nur in “experimentellen Grundlagenstudien” wurde das Präparat bisher untersucht. Weitergehende Untersuchungen erfolgten bislang nur an Zellkulturen/Petrischale sowie an Mäusen. Klinische Studien an Menschen erfolgten keine.

Gegen den Heilpraktiker Klaus R. ermittelt nun die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Ob den Heilpraktiker tatsächlich ein Verschulden trifft, bleibt abzuwarten. 

Feststehen soll auf jeden Fall, dass der Heilpraktiker auf seiner Internetseite gegen § 12 (1) Heilmittelwerbegesetz (in Verbindung mit der Anlage A) verstoßen haben soll.

Ob gegen das Patientenrechtegesetz verstoßen wurde, weiß ich nicht. Dieses sieht bei nicht zugelassenen Medikamenten eine erhöhte mündliche und schriftliche Aufklärungspflicht vor. Da 3BP aber noch weitgehend unerforscht ist, ist eine ordnungsgemäße Aufklärung schwierig darzustellen.  

Ob und wenn ja weshalb in diesen Fällen die Heilpraktiker Berufshaftpflichtversicherung und eine Rechtsschutzversicherung eine Deckung eventuell versagen könnte, werde ich später in einem weiteren Beitrag erörtern.    

Konsequenzen

In den vergangenen Jahren hat es ähnliche Fälle gegeben. Die Presse hat hierüber informiert und teilweise übertrieben skandaliert. Es wird bemängelt, dass “den Heilpraktikern” die Qualifizierung bzw. Ausbildung fehlt, um schwerkranke Krebspatienten in unverantwortlicher Weise zu behandeln. Soll heißen, ohne maßgebliche Begleitung durch qualifizierte Fachärzte.  

Hierzu war beispielsweise aus dem nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium zu hören, dass Zugangsvoraussetzungen, Ausbildungs- und Prüfungsordnungen etc. der Heilpraktiker zu verschärfen sind. Geschehen in dieser Richtung ist noch nichts, obwohl seit Jahren gefordert.

Ich sehe solche Fälle als absolute Ausnahme an, und sehe, wenn überhaupt, nur einen kleineren Handlungsbedarf im Bereich der Berufsregulierung. Insgesamt kann festgestellt werden, dass die ganz überwiegende Arbeit der Heilpraktikerschaft nicht zu beanstanden ist. Auch die Haftpflichtversicherer sprechen aus, dass der Schadenverlauf erfreulich niedrig ist. Nicht zuletzt deswegen, sind auch die Beiträge zur Heilpraktiker Berufshaftpflicht für Neukunden in den letzten Jahren gesunken.  

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Lothar J. Riesterer

Lothar J. Riesterer

Nach seiner Ausbildung bei der Deutschen Krankenversicherung AG, war der Autor mehrere Jahre als KV-Spezialist für Vertriebspartner der DKV AG tätig. Im Anschluss daran war er in unterschiedlichen Positionen innerhalb der Versicherungswirtschaft im Innen- und Außendienst tätig. Weitere Erfahrungen sammelte er 9 Jahre lang als angestellter Unternehmensberater in der Schweiz, und hat von dort für Firmen neutrale Versicherungsgutachten erstellt und komplexe Risk-Management-Beratungen durchgeführt. Später machte er sich mit einer Versicherungsmaklerfirma und als Dozent und Referent selbstständig und hat sich hierbei auf die Zielgruppe der Heilberufe bzw. Gesundheits(fach)berufe spezialisiert.

Kommentare

Todesfälle in “Heilpraktiker Krebsklinik” in Brüggen-Bracht — 1 Kommentar

  1. Sehr geehrte Frau Hildebrand,

    zu Ihrer Frage werde ich in nächsten Zeit hier einen Beitrag schreiben, der sich genau mit dieser Frage beschäftigt. Hierzu sind verschiedene Blickwinkel einzunehmen, um ein Gesamtbild zu erzeugen.

    Grundsätzlich genießt ein Heilpraktiker eine gewisse Therapiefreiheit. Aber auf der Ebene der Berufshaftpflichtversicherung könnten sich aufgrund der “Besondere Bedingungen und Risikobeschreibungen zur Berufshaftpflichtversicherung” je nach Versicherungsgesellschaft gewisse Einschränkungen ergeben, sodass Versicherungsschutz versagt wird. Dies gilt vor allem dann, wenn es sich um einen Versicherer handelt, der einen abschließenden Leistungskatalog der versicherten Behandlungsformen zugrundelegt.

    Umso vorteilhafter die Versicherungsbedingungen gestaltet sind, umso weniger KO-Kriterien können eintreten. Im Ergebnis prüft ein Versicherer dann nur noch wenige Punkte, auf die ich in meinem Beitrag demnächst eingehen werde. Im vorliegenden Fall könnte solch ein Versicherer dann nur noch Vorsatz als KO-Kriterium vorbringen. Vorsätzlich herbeigeführte Schäden sind generell ausgeschlossen. Vorsatz ist jedoch vom Versicherer zu beweisen, sodass dieser Einwand hier vermutlich nicht zieht.

    Da der Heilpraktiker Klaus R. scheinbar auch kein pharmazeutischer Unternehmer im Sinne des AMG war, gegenteiliges konnte man zumindest den Ausführungen der Staatsanwaltschaft nicht entnehmen, der das Präparat 3BP auch nicht selbst herstellte und danach in Umlauf brachte, kann hier Versicherungsschutz ebenfalls nicht versagt werden. Obwohl es sich bei 3BP um kein zugelassenes Medikament handelt, stellt dies bei richtiger Versichererauswahl auch kein KO-Kriterium dar. Wenn das Präparat aus dem Ausland bezogen wurde, gilt das Folgende: Sofern das Präparat über eine deutsche Apotheke bezogen wurde, es aus dem EU-Ausland kommt und in Deutschland nicht der ärztlichen Verschreibungspflicht unterliegt, ist auch das nicht zu beanstanden.

    Es gibt allerdings noch das Patientenrechtegesetz. Dieses sieht bei der Verwendung nicht zugelassener Medikamente wie 3BP eine deutlich erhöhte mündliche und schriftliche Aufklärungspflicht gegenüber dem Patienten vor. Ob im vorliegenden Fall dagegen verstoßen wurde, ist nicht bekannt aber im Kontext aller Verstöße sicher nicht ganz auszuschließen.

    Soviel erstmal für den Moment.

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