Physiotherapie ohne Rezept

Physiotherapie ohne ärztliche Verordnung

im Kontext einer Berufshaftpflichtversicherung

Physiotherapeut zu sein ist ein hochqualifizierter Gesundheitsfachberuf, aber kein Heilberuf. Hieraus folgt, dass ein Physiotherapeut keinen eigenen Befund bzw. keine Diagnose hinsichtlich der sich anschließenden Linderung oder Heilung seiner Beschwerden stellen darf. Er ist insoweit auf ein Rezept bzw. auf eine ärztliche Verordnung angewiesen, um tätig werden zu können. Dies umfasst im Kontext auch die Erstattungsfähigkeit durch die gesetzliche und private Krankenversicherung. Beide erstatten nur dann die Kosten, wenn eine solche Verordnung vorliegt.

Selbstständig tätig werden darf ein Physiotherapeut im Bereich der Wellnessanwendungen, die dann mit einem reduzierten Mehrwertsteuersatz privat abgerechnet werden können, sofern hierzu keine Befreiung wegen Geringfügigkeit vorliegt, was in einer Praxis für Physiotherapie die Regel sein dürfte.

Neben Ärzten dürfen Heilpraktiker med. Diagnosen stellen. Wer als Physiotherapeut daher auch noch den „großen“ Heilpraktikerstatus hat; soll heißen, nach amtsärztlicher Überprüfung im Besitz einer Heilpraktiker-Erlaubnisurkunde ist, darf eigenständig tätig werden und Diagnosen stellen.

Speziell bietet sich hierfür der sog. sektorale Heilpraktiker eingeschränkt auf dem Gebiet der Physiotherapie an (Heilpraktiker für Physiotherapie). Auf diesem abgrenzbaren Gebiet darf  dann ein Physiotherapeut Heilkunde ausüben; soll heißen, dass Kranke ohne ärztliche Verordnung physiotherapeutisch behandelt werden dürfen. Die Erlangung dieser Zulassung ist gegenüber dem „großen“ Heilpraktiker deutlich weniger aufwendig.

  • Hierzu wurde in einer Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht in einem lesenswerten Urteil aus 2009 klar geregelt, dass ein ausgebildeter Physiotherapeut zur Erlangung einer solchen Zulassung nur einer eingeschränkten Überprüfung seiner Kenntnisse bedarf (Quelle: Nr. 53/2009 BVerwG 3 C, Urteil vom 26.08.2009). Kläger war ein Physiotherapeut. Es ging damals um eine Revision zum Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichts Ansbach. Dieses wollte nämlich, dass eine spezifische  Ausübung der Heilkunde durch einen Physiotherapeuten nur dann möglich ist, wenn eine reguläre Überprüfung analog dem „großen“ Heilpraktiker erfolgt. Dieses wurde vom BVerwG verneint. Das ebnete dem sektoralen Heilpraktiker für Physiotherapie den Weg.

Berufshaftpflichtversicherung

Versicherungsschutz besteht meist nur dann, wenn gegenüber dem was ausgeübt wird, keine öffentlich-rechtlichen Vorschriften sowie behördlichen Auflagen oder Verbote entgegenstehen.

Tipp:

So ist es am Besten:
Losgelöst von diesen ganzen Bestimmungen gehen Physiotherapeuten am besten dann auf Nummer sicher, wenn die Berufshaftpflichtversicherung auch dann leistet, wenn ohne ausdrückliche ärztliche Verordnung gearbeitet wird. Dies muss aus den Versicherungsbedingungen in Form der „Besondere Bedingungen und Risikobeschreibungen für …“ (kurz BBR genannt) schriftlich hervorgehen. Die von uns empfohlenen Versicherungen erfüllen dieses Kriterium.

Gerne erhalten Sie zur Berufshaftpflicht einen Vorschlag. Dazu senden Sie uns bitte das folgende Anfrageformular:

z.B. Physiotherapeut oder Ergotherapeut
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Lothar J. Riesterer

Lothar J. Riesterer

Nach seiner Ausbildung bei der Deutschen Krankenversicherung AG, war der Autor mehrere Jahre als KV-Spezialist für Vertriebspartner der DKV AG tätig. Im Anschluss daran war er in unterschiedlichen Positionen innerhalb der Versicherungswirtschaft im Innen- und Außendienst tätig. Weitere Erfahrungen sammelte er 9 Jahre lang als angestellter Unternehmensberater in der Schweiz, und hat von dort für Firmen neutrale Versicherungsgutachten erstellt und komplexe Risk-Management-Beratungen durchgeführt. Später machte er sich mit einer Versicherungsmaklerfirma und als Dozent und Referent selbstständig und hat sich hierbei auf die Zielgruppe der Heilberufe bzw. Gesundheits(fach)berufe spezialisiert.
Mitglied einer Praxisgemeinschaft: Praxisräumlichkeiten, Einrichtungen und/oder Gerätschaften werden gemeinsam genutzt. Die Behandlung der Patienten erfolgt nicht gemeinschaftlich. Jeder Praxisinhaber liquidiert auf eigene Rechnung für die eigene Leistung. Jedes Mitglied einer Praxisgemeinschaft behandelt grundsätzlich nur seine eigenen Patienten und ist verpflichtet hierüber eine eigene, für seine Praxiskollegen nicht zugängliche Dokumentation zu führen.
Mitglied einer Gemeinschaftspraxis: Siehe Praxisgemeinschaft. Darüber hinaus werden die Leistungen aber gesamtschuldnerisch erbracht. Die Gemeinschaft der Praxisinhaber liquidiert (nicht der einzelne Praxisinhaber). Haftpflichtansprüche Dritter beziehen sich auf alle Mitglieder der Gemeinschaftspraxis. Eine einheitliche Berufshaftpflichtversicherung bei einem Versicherer ist notwendig.

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