Heilpraktiker und Botox

Heilpraktiker und Botulinumtoxin-Präparate

Neufassung vom 09.03.2018

Heilpraktiker mit einer HP-Erlaubnisurkunde sind Heilberufler. Als solche dürfen sie nicht-verschreibungspflichtige Substanzen wie z.B. Hyaluronsäure unterspritzen oder Fadenlifting mit resorbierbaren Fäden durchführen. Eine entsprechende Aus-/Fortbildung qualifiziert sie hierfür. Diese Risiken können auch innerhalb einer Heilpraktiker Berufshaftpflichtversicherung mitversichert werden. Doch wie steht es bei Botox?

Wir bieten Heilpraktikern die Möglichkeit Faltenunterspritzungen mittels Botox im
Rahmen einer Berufshaftpflichtversicherung mitzuversichern.

Die Voraussetzungen hierfür sind:

–  Sie verfügen über eine Heilpraktiker-Erlaubnisurkunde
–  Sie sind als Heilpraktiker zeitlich nicht zu über 50 % rein kosmetisch-ästhetisch tätig
–  Sie verfügen über eine entsprechende Fortbildung die Sie zur sicheren Ausübung befähigt

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Pro und Contra Botox

Faltenunterspritzungen mit Fillern wie zum Beispiel Hyaluronsäure und weitere „Schönheitsbehandlungen“ durchzuführen, ist dem Heilpraktiker bisher ausdrücklich erlaubt.  Jedoch wird zum Teil sehr kontrovers diskutiert, ob Heilpraktikern erlaubt ist Botox zu spritzen, da es sich um einen verschreibungspflichtigen Stoff handelt, der nur von Ärzten verschrieben werden darf.

Für eine Erlaubnis könnte aus externer Sicht sprechen:

Das Verwaltungsgericht Münster (VG Münster 19.04.2011, Az. 7 K 338/09) sowie das sich daran anschließende Oberverwaltungsgericht in NRW (OVG NRW 18.04.2013, 13 A 1210/11) hat entschieden, dass Zahnärzte nicht zum injizieren von Botulinumtoxinen und weiteren Fillern außerhalb des „Lippenrotbereichs“ berechtigt sind, da es sich hierbei um eine erlaubnispflichtige Ausübung der Heilkunde handelt, zu der in diesem Kontext nur approbierte Ärzte (keine Zahnärzte) und Heilpraktiker im Sinne des § 1 Abs. 2 HPG berechtigt sind. Praktisch gleichlautende Urteile wurde gegen Kosmetikerinnen erwirkt.

Die Urteile gingen nicht darauf ein, dass Botox verschreibungspflichtig ist, und somit von Heilpraktikern nicht verwendet werden darf. Im Umkehrschluss könnte daraus gefolgert werden, dass Heilpraktiker Botox durchaus verwenden dürfen. Heilpraktiker dürfen keine verschreibungspflichtigen Medikamente verordnen. Das bezieht sich nur auf die Verordnung, so die Befürworter. Wenn ein Heilpraktiker jedoch in den Besitz verschreibungspflichtiger Arzneimittel gelangt, gibt es keinen Hindernisgrund, diese bei seinen Patienten anzuwenden.

Rechtsquelle:

Loseblattsammlung „Recht der Gesundheitsfachberufe, Heilpraktiker und sonstigen Berufe im Gesundheitswesen“ Kapitel 30.1, Seite 15. Die früher von Helmut Erdle und Andrea Becker herausgebrachte Loseblattsammlung wird mittlerweile von Prof. Dr. Gerhard Igl betreut.

Pflicht zur Aus- und Fortbildung

Allerdings muss ein Heilpraktiker für die jeweils durchgeführte kosmetisch-ästhetische Behandlung durch eine entsprechende Aus- und Fortbildung qualifiziert sein, so dass eine sichere Ausübung der jeweiligen Maßnahme als gesichert anzusehen ist. Siehe auch das „Sorgfaltspflichturteil“ des BGH in dem festgehalten wurde, dass Heilpraktiker bei inversen Behandlungen die gleichen Sorgfaltspflichten wie Allgemeinmediziner haben.

Darüber hinaus, muss der Heilpraktiker seinen Patienten gerade bei inversen „Schönheitsbehandlungen“ mündlich und schriftlich schonungslos über Risiken und Nebenwirkungen aufklären. Er unterliegt hier den gleichen Grundsätzen wie ein Arzt, der in diesen Fällen i.d.R. mit Aufklärungsbögen der Firmen „proCompliance“ und/oder „Diomed“ arbeitet.

Für ein Verbot von Botox könnte aus externer Sicht sprechen:

Kritiker räumen ein, dass Botox ein verschreibungspflichtiges Medikament analog § 1 Nr. 1 Arzneimittelverschreibungsverordnung ist. Daher soll Heilpraktikern die Verwendung von Botox nicht möglich sein, da ein Heilpraktiker weder zur Verordnung noch dem Bezug und damit auch nicht der Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel berechtigt ist. Das soll auch dann gelten, wenn er Botox über seinen Patienten erhält, der dies zuvor auf Rezept aus der Apotheke bezog.

Verstößt ein Heilpraktiker in diesem Kontext gegen diverse gesetzliche Bestimmungen und wendet Botox trotzdem an, so verstößt er gegen verschiedene Rechtsvorschriften, die empfindliche Strafen nach sich ziehen können, so die Kritiker.

Abschließend der deutliche Hinweis, dass  der DACHVERBAND DEUTSCHER HEILPRAKTIKERVERBÄNDE e.V. – DDH- sinngemäß zum Ausdruck brachte, und wohl auch bringt, dass Faltenunterspritzungen mit Botox und ähnliche Eingriffe nicht mit dem gewünschten Heilpraktiker Berufsbild übereinstimmt.

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Lothar J. Riesterer

Lothar J. Riesterer

Nach seiner Ausbildung bei der Deutschen Krankenversicherung AG, war der Autor mehrere Jahre als KV-Spezialist für Vertriebspartner der DKV AG tätig. Im Anschluss daran war er in unterschiedlichen Positionen innerhalb der Versicherungswirtschaft im Innen- und Außendienst tätig. Weitere Erfahrungen sammelte er 9 Jahre lang als angestellter Unternehmensberater in der Schweiz, und hat von dort für Firmen neutrale Versicherungsgutachten erstellt und komplexe Risk-Management-Beratungen durchgeführt. Später machte er sich mit einer Versicherungsmaklerfirma und als Dozent und Referent selbstständig und hat sich hierbei auf die Zielgruppe der Heilberufe bzw. Gesundheits(fach)berufe spezialisiert.

Kommentare

Heilpraktiker und Botox — 1 Kommentar

  1. Sehr geehrter Herr Riesterer, vielen Dank, dass Sie das Thema Botox und Heilpraktiker aufgegriffen haben. Allerdings ist der Schluss: „In den Verkehr bringen bedeutet m.E. Arzneimittel / Wirkstoffe am Patienten bzw. Kunden anzuwenden“ nicht korrekt. Ärzte, die Arzneimittel am Patienten anwenden, bringen die Produkte gerade nicht in den Verkehr. Das ist bereits richterlich geklärt. Nichts anderes kann daher für Heilpraktiker gelten.